Whiskylagerung im Steingut: Feinschliff für den Geschmack

Die Wahl des Lagerbehälters hat einen entscheidenden Einfluss auf den Geschmack eines Whiskys. Neben der klassischen Reifung in Eichenfässern gibt es alternative Methoden, die eine besondere Veredelung ermöglichen. Eine davon ist die Nachlagerung in Steingutbehältern. Doch wie beeinflusst diese Methode das Aroma und die Textur des Whiskys?

Steingut: Neutral, aber wirkungsvoll

Im Gegensatz zu Holz gibt Steingut keine eigenen Aromen an den Whisky ab. Das bedeutet, dass keine neuen Geschmacksnoten wie Vanille, Tannine oder Röstaromen entstehen. Dennoch hat Steingut eine subtile, aber bemerkenswerte Wirkung auf den Whisky. Der poröse Ton ermöglicht eine sanfte Mikrooxidation. Dabei können scharfe, alkoholische Noten abgemildert werden, was den Whisky weicher und runder erscheinen lässt.

Durch den Sauerstoffkontakt oxidieren bestimmte Bestandteile wie Aldehyde zu milden Säuren. Dies kann das Aromenprofil harmonisieren und dem Whisky eine zusätzliche Tiefe verleihen. Gleichzeitig bleibt der ursprüngliche Charakter der Fassreifung erhalten, sodass die Holznoten nicht überlagert, sondern lediglich verfeinert werden.

Mundgefühl und Konzentration

Neben dem Aroma beeinflusst die Steingutlagerung auch die Textur des Whiskys. Da flüchtige Alkohole entweichen können, wird das Mundgefühl oft als weicher und cremiger beschrieben. Zudem kann es zu einem leichten Ionenaustausch kommen, der den pH-Wert beeinflusst und die Wahrnehmung der Aromen subtil verändert.

Ein weiterer Effekt ist die Konzentration der Aromen. Während in Holzfässern sowohl Alkohol als auch Wasser verdunsten (bekannt als “Angels‘ Share”), entweicht in Steingutbehältern bevorzugt Wasser. Das liegt an den spezifischen Poreneigenschaften des Materials, die Wassermoleküle stärker anziehen als Ethanol. Dies kann den Whisky intensiver machen und fruchtige oder würzige Noten hervorheben.

Historischer Kontext und moderne Anwendung

Obwohl diese Methode ungewöhnlich erscheinen mag, hat Steingut in der Whiskygeschichte bereits eine lange Tradition. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Steingutkrüge zur Lagerung und zum Transport von Whisky genutzt, bevor Glasflaschen weit verbreitet waren. Bekannte Marken wie Dewar’s, Bell’s und White Horse setzten auf diese Behälter, da sie robust waren, den Whisky vor Licht schützten und leicht versiegelt werden konnten.

Auch heute wird Steingut wiederentdeckt, insbesondere für Sammlereditionen und Premium-Abfüllungen. Bei St. Kilian experimentieren wir mit dieser Technik, um herauszufinden, wie sich die spezielle Lagerung auf unsere Core Range auswirkt. Unser Ziel ist es, neue Wege zu gehen und Whiskys mit zusätzlicher Komplexität und Harmonie zu schaffen.

Fazit

Die Nachlagerung von fassgereiftem Whisky in Steingutbehältern verleiht ihm eine weichere Textur, intensiviert die Aromen und sorgt für eine sanfte Veredelung, ohne den ursprünglichen Fasscharakter zu überdecken.

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