The Spirit of St. Kilian geht in die fünfte Runde: Master Distiller Mario Rudolf über das neue Batch, italienische Amarone-Fässer und die Lust am Experimentieren

Fruchtige Pflaumen und frische Landäpfel mit einem Hauch von Marzipan und würzigen Holznoten: Ihrem neuesten Malzbrand hat die Whisky Distillery aus Rüdenau einen außergewöhnlich fruchtig-süßen Geschmack verliehen. Dazu lagerte der Spirit für mehr als 27 Monate in ehemaligen italienischen Amarone-Weinfässern. Das neue Batch ist die inzwischen fünfte Abfüllung der Reihe „The Spirit of St. Kilian“. Zeit, eine Zwischenbilanz mit Master Distiller Mario Rudolf zu ziehen.

Mario, das ist nun der fünfte „Spirit of St. Kilian“, den Ihr auf den Markt bringt. Wird es Euch da nicht langsam langweilig?

Mario Rudolf: (lacht) Ganz im Gegenteil! Die Idee hinter unserer Reihe ist ja, die zukünftige Geschmacksvielfalt unseres Whiskys aufzuzeigen. Dafür haben wir unseren Malzbrand von Anfang an in ganz unterschiedlichen Fässern reifen lassen. Für jedes Batch suchen wir dann die passenden zur Abfüllung aus – bei unserem neuesten zum Beispiel mehrere Amarone-Fässer.

Wenn man so viele Sorten schon jetzt abfüllt, bleiben Euch dann noch genügend Fässer für den eigentlichen Whisky?

Mario Rudolf: Das wurde ich schon häufiger gefragt. Es ist in der Tat so, dass unser Spirit of St. Kilian eben noch kein richtiger Whisky ist, weil er die Grenze von drei Jahren Reifezeit im Fass noch nicht erreicht hat. Deswegen bezeichnen wir ihn ja auch als fassgelagerten Malzbrand. Von all den Fässern, die in unseren Warehouses lagern, haben wir bisher aber nur einen sehr kleinen Teil für unsere Spirit-Reihe entnommen. Für die zukünftigen Whisky-Abfüllungen besteht also keine Gefahr – auch hier bleibt genug zum Experimentieren übrig.

Apropos Experiment: Welche Erkenntnisse hast Du denn inzwischen durch die fünf bisherigen Spirits gewonnen? Wird es beim Whisky da auch so viele Varianten geben?

Mario Rudolf: Das Schöne ist ja, dass wir mit dem Spirit of St. Kilian gleich zweierlei erreichen: Wir sehen, wie sich unser Destillat in unterschiedlichen Fässern verhält, welche Auswirkungen das auf spätere Fasskombinationen hat und wie der Geschmack bei unseren Kunden ankommt. So haben wir zum Beispiel festgestellt, dass wir besonders harmonische Ergebnisse erzielen, wenn wir unseren Spirit in frischen, unbelegten Fässern reifen lassen und mit solchem aus anderen Fässern – Bourbon, Sherry, oder eben Amarone – kombinieren. Und als Nebeneffekt, können wir die Zeit bis zum Whisky überbrücken. Das scheinen unsere Fans wohl auch so zu sehen. Zumindest sind von unseren ersten Batches bisher kaum noch Flaschen übrig.

Kritische Stimmen waren ja aber auch schon zu hören.

Mario Rudolf: Das bleibt nie aus, wenn man einen Whisky macht. Wie so oft ist es eben Geschmacksache. Gerade der junge und teils wilde Charakter des Spirits ist ja logischerweise nach der kurzen Lagerdauer noch deutlich erkennbar. Deswegen ist es eben auch noch kein Whisky. Und trotzdem kann man schon erkennen, wohin die Reise geht. Das Feedback, das uns erreicht, ist zum größten Teil äußerst positiv. Dafür sind wir sehr dankbar und, zugegeben, auch ein bisschen stolz. Schließlich konnten wir damit nicht automatisch rechnen. Entsprechend nervös sind wir auch jedes Mal vor dem Start jeder neuen Abfüllung.

Von fruchtig über malzig bis rauchig waren ja schon viele Geschmacksrichtungen bei Eurem Spirit dabei.
Gerade viele schottische Brennereien haben ja in der Regel einen recht einheitlichen Brennerei-Stil. Einigt Ihr
Euch da noch auf einen Weg?

Mario Rudolf: Sicher wird man in unserem Whisky auch eine typische geschmackliche Note wieder erkennen. Es geht ja schließlich um den individuellen Charakter von St. Kilian Distillers. Welche das genau sein wird, das steht aber noch nicht ganz fest. Soviel kann ich aber schon sagen: Das Experimentieren werden wir uns wohl nie ganz nehmen lassen. Dafür bringt es uns selbst zu viel Spaß!

Für das neueste Batch habt Ihr ausschließlich Amarone-Fässer ausgesucht. Wie kam es dazu?

Mario Rudolf: Wir haben auf einen schönen Spätsommer vertraut und wollten dessen besondere Stimmung geschmacklich im Glas einfangen. Und da haben wir dann fast schon automatisch an die Amarone-Fässer von Claudio Lenotti gedacht, in denen unser Spirit gereift ist.

Was macht diese Weinfässer für Euch so besonders?

Mario Rudolf: Zu einem ist es der persönliche Bezug: Zum Weingut Lenotti haben wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Gerade auch, weil wir die gleiche Philosophie haben, wenn es um Qualität und Geschmack geht. Und da macht man den Lenottis eben nichts vor. Da die Trauben beim Amarone nach der Lese erst einmal mehrere Monate lang getrocknet werden, entsteht so ein sehr kräftiger, süßer und ungewöhnlicher Wein – daher ist Amarone ja auch so beliebt. Einen Teil dieses Aromaprofils übertragen wir durch die Fassreifung auf unseren Spirit. So entsteht die Mischung von Früchten, Rotweinnoten und Marzipan im Glas, die mich persönlich immer an laue Spätsommerabende mit guten Freunden erinnert.

Und wie geht jetzt es weiter?

Mario Rudolf: Bis wir im nächsten Jahr erstmals unseren Whisky herausbringen, bleibt ja noch ein bisschen Zeit. Also erst einmal keine Eile! Wie viele Batches es noch vom Spirit of St. Kilian geben wird, das hängt davon ab, wie sich unser Spirit in den Fässern entwickelt. Und das kann man nie vorhersagen. Nur immer wieder überprüfen. Zumindest für den nächsten kann ich aber schon so viel verraten: Nach unserem fruchtig-süßen Amarone-Batch werden das nächste Mal hoffentlich die Rauch- und Torf-Fans ganz aus dem Häuschen sein.

THE SPIRIT OF ST. KILIAN BATCH 5 – Fassgelagerter Malzbrand, 50 % vol.

  • als New Make destilliert im April 2016
  • gereift in zuvor mit Amarone-Rotwein belegten Eichenfässern aus der norditalienischen Weinregion Valpolicella
  • abgefüllt als fassgelagerter Malzbrand mit 50 % vol.
  • limitiert auf 4.900 Flaschen
  • Verkauf: stkiliandistillers.com

Flasche: 22,90 € UVP
0,35 l (65,43 €/l)

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