Schottland-Reise 2022 - Technik 1

Schottland-Reise 2022

Die stetige Weiterentwicklung gehört seit Anfang an zu unserer St. Kilian DNA.

Gemäß diesem Credo machten sich im Juni 2022 Mario Rudolf, Lars Baethcke und Andreas Kreser zusammen mit Ernie Scheiner auf den Weg nach Schottland. Ziel der Reise war es, Einblicke in verschiedene Destillerien zu erhalten und in den konstruktiven Austausch mit den Köpfen hinter den Marken zu treten sowie mögliche Kollaborationen zu besprechen.

Falkirk Distillery

Falkirk ist als Partnergemeinde von Erbach, unserem Nachbarlandkreis Erbach und somit eine besondere Herzensangelegenheit. Vater und Tochter haben hier gemeinsam eine Single Malt Destillerie aufgebaut, welche den klassischen Lowland Whisky verkörpert: Angenehm mild, floral und fruchtig. Das Equipment der neuen Destillerie kam von der Caperdonich Distillery aus der Speyside. Zwei der vier Stills sind bei Falkirk in Betrieb und die anderen zwei Stills bei Belgian Owl. Im kommenden Jahr (2023) dürfen wir den ersten dreijährigen Whisky erwarten. Die Proben des New Makes und der fassgelagerten Spirits konnten uns sehr überzeugen.

Ein wichtiges Standbein der Destillerie wird zudem das Besucherzentrum sein. Dank der Nähe zu den Kelpies und dem Falkirk Wheel rechnet man mit 80.000 Besuchern pro Jahr.
Nicht nur aufgrund der Partnerschaft zwischen dem Odenwaldkreis Erbach und Falkirk können wir uns eine Kollaboration in Sachen Whisky mit der Falkirk Distillery gut vorstellen.

Glasgow Distillery

Die erste neue Destillerie in Glasgow seit über 100 Jahren liegt in einem schmucklosen Industriegebiet, doch das Equipment ist erstklassig. Die deutsche Firma Carl lieferte die zwei Wash und die zwei Spirit Stills, eine i-Still aus den Niederlanden rundet das Equipment ab.

Neben Single Malts wird auch Gin, fassgereifter Gin, Rum, Vodka sowie Blended Whisky produziert. Die drei Single Malt Produkte (unpeated, peated und triple distilled) konnten uns absolut überzeugen.

Interesse weckten natürlich die Fässer, in welchen der Gin reift, da diese nicht aus Eiche, sondern aus Maulbeerbaumholz gefertigt. Die ersten Fässer sind bereits auf dem Weg nach Rüdenau. Weitere gemeinsame Projekte folgen.

Loch Lomond Distillery

Die Vielfalt der verschiedenen Stills und Kolonnen bei Loch Lomond ist beeindruckend. Die für Besucher nicht zugängliche Destillerie produziert 13 verschiedene New Makes und setzt technisch Maßstäbe. In der eigenen Küferei werden einige der Fässer neu aufbereitet und repariert. Das Ausbrennen ist hierbei sicherlich ein Highlight der Tour.

Durch die zahlreichen Stills und Kolonnen liegt der Fokus von Loch Lomond klar auf den Spirits, dementsprechend ist der Einfluss der Fässer nur mit 30-35% betitelt.

In der Verkostung konnten uns alle New Makes und Whiskys überzeugen, Favorit war eindeutig der Inchmurrin.

Starlaw Distillery (Glen Turner Co.)

Eine in Deutschland weniger bekannte Destillerie, welche den in Frankreich sehr beliebten Label 5 Blend produziert.

Das parkähnliche Areal umfasst nicht nur 29 Lagerhäuser mit mehr als 750.000 Fässer Whisky, sondern auch die Destillerie mit einem Produktionsvolumen von 25 Millionen Litern reinem Alkohol sowie mehrere Abfüllstraßen für verschiedenste Marken und Hersteller, wie z.B. die Single Malts der zum Konzern gehörenden Glen Moray Distillery oder Cutty Sark und Sir Edwards.

Pro Jahr werden an diesem Standort rund 50 Millionen Flaschen Whisky abgefüllt.

Doch auch die Dimensionen der Destillerie ist atemberaubend: 12 Gärtanks zu je 500.000 Liter sowie Spirittanks mit einem Fassungsvolumen von 700.000 Litern.

Glenesk Maltings

Im Osten Schottlands, grob zwischen Edinburgh und Aberdeen gelegen befindet sich die Kornkammer Schottlands. Äußerst fruchtbare Böden lassen Getreide, Kartoffeln und weitere Feldfrüchte hervorragend gedeihen. Dementsprechend wundert es nicht, dass hier in der Nähe die Mälzerei für unser getorftes Gerstenmalz liegt.

Seit Beginn unserer Produktion in 2016 beziehen wir von dort unser Heavily Peated Malt mit 54 ppm und unser Ultra Heavily Peated Malt mit bisher rund 92 ppm. Wir streben nach 100 ppm in diesem Jahr!

Nach einer intensiven Besprechung der aktuellen Lage auf den Getreidemärkten, der Preisentwicklungen und der Qualitäten der Ernten konnten wir in alle Details des Mälzungsprozesses tief eintauchen. Zum Abend wurde dann auch der Peatofen angefeuert. Als absolutes Highlight konnten wir selbst Peat nachlegen.

Glenesk Malting stellt getorftes sowie ungetorftes Distilling Malt her. 49.000 to pro Jahr.

Der Torf für unser Malt wird bei St. Fergus im Nordosten Schottlands nahe Aberdeen gestochen. Die Zusammensetzung ist entscheidend für den Grundcharakter des Whiskys. Eher holzigere Anteile erzeugen bei uns eher kräutrig, warme Rauchnoten, welche oft etwas aschiger und weniger medizinisch sind.

Inchdairnie Distillery

Den Erzählungen des Whiskyurgesteins Ian Palmer lauscht man gerne. Vor allem, wenn er über „seine“ Destillerie erzählt: Hochmodern, Effizient und ein absoluter Fokus auf Geschmack. Die New Make Verkostung lies daran keinen Zweifel.

Neben Single Malt Whiskys die klassisch zweifach auf Pot Stills gebrannt werden gehört auch Rye Whisky zur Palette. Dieser wird auf einer eigens entworfenen Lomond Still destilliert. Also einer Pot Still mit aufgesetzter Kolonne mit 6 Böden. Geliefert wurde alles von Frilli aus Italien.

Im Einsatz befindet sich ein Maischefilter. Hier wird zunächst das Korn oder Malz in einer Hammermühle fast zu Mehl zerkleinert. Dann wird gemaischt und über einen Maischefilter Würze und Treber getrennt. Dieses System ist sehr selten in der Whiskyindustrie vorzufinden. Ebenso in Brauereien. Aber gerade beim Einsatz von Roggen (Rye Whisky) birgt es große Vorteile. Roggen lässt sich in einem Läuterbottich nur recht schwer verarbeiten bei einem maximalen Anteil von bis zu 30%. Im Maischefilter sind deutlich höhere Roggenanteile auch über 50% möglich.

Die aktuelle Kapazität liegt 2 Mio. Liter reiner Alkohol pro Jahr, dies wird jedoch gerade verdoppelt. Ein Großteil, wie für so gut wie alle Destillen in Schottland üblich, geht in die Blendindustrie bzw. wird als Bulk Ware verkauft.

Arbikie Distillery

Eingebettet in eine atemberaubende Landschaft, inmitten der eigenen Felder gelegen, mit Blick aufs nahegelegene Meer liegt die relativ junge Arbikie Distillery.

Hier wird mit Rohstoffen der eigenen Farm Rye und Malt Whisky sowie Gin und Vodka produziert.

Die eigenen Rinder verwerten die Produktionsrückstände. Wacholder und die weiteren Botanicals für den Gin sowie Erbsen und Kartoffeln für den Vodka werden vor Ort angebaut.

Die Destillerie nutzt wieder eine Anlage des deutschen Anbieters Carl, welche sehr flexibel genutzt werden kann. Brennen im Pot Still Verfahren, Gindestillation mit Korb, Kolonne einfach oder Kolonne zweifach ist hier möglich. Die zweite Kolonne wird für den Vodka benötigt, denn die 40 Böden erzeugen quasi Neutralalkohol. Mit nur einer Kolonne hingegen wird der Rye Whisky sowie der Gin destilliert während die Single Malts im Pot Still Verfahren erzeugt werden.

Bis zum ersten Single Malt sind es jedoch noch 10 Jahre hin, denn dieser soll erst als 18- jähriger Whisky herausgebracht werden.

Holyrood Distillery

Die junge Destillerie liegt unweit der Altstadt Edinburghs in einer ehemaligen Bahnwerkstatt. Bei einem Spaziergang durch die schottische Hauptstadt sollte ein Besuch auf jeden Fall auf dem Plan stehen.

Das junge Team kreiert ausgefallenste unterschiedlichste Spirits und geht hierbei ständig neue Wege:  Eine Vielzahl an Malzen und Hefen sowie die unterschiedlichen Nutzungen der Stills ermöglichen ständig neue Kreationen. So werden z.B. unterschiedlichste Wein-, Bier- und Distillershefen verwendet. Teilweiseauch in Mischung oder zeitlich versetzt in unterschiedlichen Gärphasen.

Die Gins werden ebenso kreativ erzeugt. So kommt neben dem typischen Wacholder auch schon einmal ein mittels Kaffeerösterei gerösteter oder aber auch ein vergorener Wacholder zum Einsatz.

Auf zwei enorm hohen Pot Still produzieren die Distiller Single Malt Whisky. Die entsteht auf einer kleineren separaten Brennblase.

Ähnlich wie bei St. Kilian kann das Team von Holyrood den Reflux steuern. Der abfallende Lyne Arm mündet im Purifier, welcher mit einer Mantelkühlung versehen ist. Durch eine Rückführung in die Brennblase kann so ein höherer Reflux erzeugt werden. Der Purifier selbst fungiert als aufreinigender Boden und damit eines weiteren Destillationsschritts.

Als Besucher läuft man in der Tour direkt unter dem Lyne Arm hindurch. Ein besonderes Erlebnis.

Doch nicht nur die Besucherdestillerie, auch die Spirits sind ein Erlebnis. Wir freuen uns bereits jetzt auf die kommenden Whiskys.